Stadtteilrundgänge 2017  

Wenn Sie nicht an Infotainment, an Mythen über meist männliche Autoritätspersonen, Vereinsvorsitzende und Körperschaften interessiert sind, sondern es spannend finden, mehr über die Alltags- und Sozialgeschichte zu erfahren - wie die Kistensiedlungen entstanden sind beispielsweise, was Selbstversorgung für die Menschen bedeutete, ob es nach 1933 Widerstandsgruppen gab und wie die ZwangsarbeiterInnen und KZ Häftlinge leben mussten - wenn Sie es wie ich empörend finden, dass die NS Zeit in der offiziellen Heimatgeschichtsschreibung Lurups, Eidelstedts und Halstenbeks nicht oder nur verharmlosend oder gar beschönigend abgehandelt wird, freue ich mich, Sie auf meinen Rundgängen begrüßen zu dürfen.
Auf den Rundgängen stelle ich Ihnen Ergebnisse meiner jahrzehntelangen Recherchen u.a. in Staatsarchiven und dem Bundesarchiv vor. Die einzelnen Stationen der Rundgänge werden mithilfe von Fotos, Dokumenten und Kartenmaterial veranschaulicht.

So., 9. April, 11 Uhr
Luruper Widerstand nach 1933
Die Widerstandsgruppe am Tannenberg
Treff: Luruper Hauptstraße 54, am Stolperstein Willi Hagen
8 €, ermäßig 6 €
Viele Luruper wollten es nach 1933 nicht so ohne weiteres hinnehmen, dass Deutschland sich in eine Diktatur verwandelte; mutig engagierten sie sich für verschiedenste Formen des Widerstands, von Kreidezeichnungen sozialdemokratischer Lehrlinge bis hin zu Plänen von KPD Mitgliedern, Gefangene aus dem KZ Fuhlsbüttel zu befreien. Entlang der Luruper Hauptstraße und den Straßen rund um den Tannenberg wohnten einige Kommunisten, die nach 1934 denunziert und von der Gestapo verhaftet wurden, unter ihnen auch Willi Hagen, der mit seiner Frau und seinen Töchtern an der Luruper Hauptstraße wohnte. Willi Hagen wurde im KZ Fuhlsbüttel mehrfach gefoltert. Am 03. Januar 1936 verstarb er in seiner Zelle an den Folgen der Misshandlungen. Seinen Genossen aus Lurup, Eidelstedt, Halstenbek wurde im Rahmen der Strafsache gegen den Hafenarbeiter Johannes Heinrich Heldt, den nach Darstellung der Anklageschrift führenden Altonaer KPD Funktionär, ‚Hochverrat' vorgeworfen. Etwa 570 Männer und Frauen aus Hamburg und Altona wurden im Rahmen dieser Strafsache "Heldt und Genossen" ‚angeklagt, die verbotene Organisation der KPD weitergeführt zu haben, Flugblätter und andere illegale Schriften verteilt, illegale Treffen organisiert und Widerstandsgruppen aufgebaut zu haben. Wenn man den Anklageschriften Glauben schenken kann, wechselten mehrere Mitglieder dieser Widerstandsgruppen in Lurup, Eidelstedt und Halstenbek von der SPD zur KPD oder waren parteilos, mehrere waren gewerkschaftlich sowohl freigewerkschaftlich als auch innerhalb dem Metallarbeiterverband (der Vorläuferorganisation der IG Metall) organisiert und in Arbeitersportverbänden sowie dem Arbeitersamariterbund aktiv. In Lurup, Eidelstedt und Halstenbek versteckten Mitglieder dieser Widerstandsgruppen Abziehapparate, verteilten heimlich Flugblätter mit eigenen Gedichten, gewährten sogar Genossen, die auf der Flucht vor der Gestapo waren, Unterschlupf, und organisierten Hilfsaktionen für die Familien Gefangener.
Der Rundgang beginnt am Stolperstein Willi Hagens, führt zum Achtern Styg, dem Kempelbarg und der Luruper Hauptstraße und endet am Rugenbarg.

So., 11. Juni, 11 Uhr
Mut und Sabotage im Zwangsarbeiterlager in der Lederstraße
Treff : S-Bhf Stellingen vor der Gedenktafel im Eingangsbereich
8 €, ermäßig 4 €
Von 1942 bis 1945 befand sich eines der größten Zwangsarbeiterlager des Hamburger Raumes in der Lederstraße nahe dem heutigen Stellinger Bahnhof. Die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter waren im Auftrag Fritz Sauckels, des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz, vor allem aus den von der Wehrmacht besetzten osteuropäischen Ländern nach Hamburg verschleppt worden und mussten in der Rüstungsindustrie, aber auch bei der Trümmerbeseitigung und für die Straßenreinigung arbeiten. Der Alltag im Lager war sehr hart. Auch Kinder mussten arbeiten, erlebten Hunger und Gewalt. Dennoch kam es zu Versuchen von Widerstand - und zur erbarmungslosen Vergeltung durch die Gestapo. Zwangsarbeiter, die bei Aufräumarbeiten Lebensmittel in den Trümmern gefunden hatten, ließ die Gestapo von der Waffen SS in den Winsbergen ermorden. Auch Sabotage wurde erbarmungslos bestraft. Der Rundgang führt von der Gedenktafel im S Bahnhof Stellingen entlang des ehemaligen Lagergebietes zu dem ungefähren Exekutionsort und endet wieder am Stellinger Bahnhof.

So., 13. August, 11 Uhr
Von Heldengedenken und Widerstandskraft
Lurup im Nationalsozialismus I
Treff : Luruper Hauptstr./Flurstr., vor den Gedenksteinen an der Auferstehungskirche Lurup, Haltestelle Metrobus 2 Flurstr. Nord
8 €, ermäßig 4 €
Bei den Reichstagswahlen 1933 erreichte in Lurup entgegen dem gesamtdeutschen Trend die SPD mit 40,6 % eine Mehrheit vor der NSDAP mit 34,1 %. Die Nationalsozialisten versuchten nach 1933 zum einen mit Terror und Gewalt die Arbeitersiedlungen zu unterwerfen, zum anderen mit Vergünstigungen für loyale Bevölkerungsgruppen die Luruper für sich zu gewinnen. Die Nationalsozialisten versuchten nach 1933 zum einen mit Terror und Gewalt die Arbeitersiedlungen zu unterwerfen, zum anderen mit Vergünstigungen für loyale Bevölkerungsgruppen die Luruper für sich zu gewinnen. Vertreter der Kirche und der Altonaer NSDAP errichteten 1935 in einer großangelegten Feier vor dem damaligen Gemeindehaus der Auferstehungskirchengemeinde ein Ehrenmal für die nach nationalsozialistischem Weltbild ‚arischen' Gefallenen des 1. Weltkriegs der Gemeinde Lurup. Viele Luruper, die sich politisch in der SPD oder der KPD engagiert hatten, wurden nach 1933 aus politischen Gründen verfolgt, kamen ins KZ Fuhlsbüttel, darunter Willi Hagen und Walter Reimann. Menschen, die sich zu den Zeugen Jehovas bekannten, Swing Jugendliche, Homosexuelle, alle, die nicht in das Konzept eines Nationalsozialistischen Lebensstils passten, wurden verfolgt, ermordet. Der Rundgang beginnt am Mahnmal der Auferstehungskirchengemeinde und endet in der Jevenstedter Straße mit einem Gedenken an ein Luruper Opfer, das zur Swing-Jugend gehörte.

So., 27. August, 11 Uhr
Das KZ nebenan
Lurup unter dem Nationalsozialismus II
Treff: Haltestelle Metrobus 21 Jevenstedter Str., Kreuzung Jevenstedter Str. / Fahrenort,
8 €, ermäßig 4 €
Viele Menschen aus anderen Ländern wurden nach Lurup zur Arbeit gezwungen. Das Gebiet am Eidelstedter Rangierbahnhof am Friedrichshulder Weg war aus Sicht der Nationalsozialistischen Behörden gut geeignet für mehrere Zwangsarbeiterlager und ein Außenlager des KZ Neuengamme, in das Jüdinnen vor allem aus Rumänien und Ungarn verschleppt wurden. 500 weibliche Häftlinge, ungarische und tschechische Jüdinnen, die zuvor in den Außenlagern des KZ Neuengamme Dessauer Ufer und Wedel gewesen waren, mussten ab 1944 im Außenlager Eidelstedt vor allem Plattenbauten errichten. Der Lagerleiter Walter Kümmel wurde in einem Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in den 1980er Jahren mit der Unterstützung des Neonazi-Rechtsanwaltes Rieger freigesprochen. Neben diesem KZ betrieben die Nationalsozialisten mehrere Baracken für Zwangsarbeiter aus Polen und der Ukraine. Auch sie wurden zur Arbeit gezwungen, vor allem für die Reichsbahn.
Zwangsarbeiter aus Polen und Russland, auch Italienische Militärinternierte wurden zur Arbeit gezwungen, vor allem für den Behelfsheimbau für die ausgebombte deutsche Bevölkerung. Hedi Fried, Überlebende des KZ im Friedrichshulder Weg, beschreibt in ihrer Biografie mehrere Begegnungen mit der Luruper Bevölkerung. Der Rundgang beginnt in der Jevenstedter Straße, in der zahlreiche Immobilien der Erbengemeinschaft Salomon Bondys arisiert wurden, führt vorbei am Gedenkstein der Emmaus-Kirchengemeinde und wird enden am Gedenkstein an das Außenlager des KZ Neuengamme in der Randowstraße.

weitere Rundgänge des Stadtteilarchivs Ottensens: http://stadtteilarchiv-ottensen.de/termine/

besonders hinweisen möchte ich auf die Rundgänge zur Kolonialgeschichte
"aus Baltimore Toback, aus Surinam Kaffee, aus Afrika Gummi"
Altona im transatlantischen Menschenhandel

Treff: Alte Königstraße 5, vor dem Laden des Zigarrenmachers
So., 21. Mai, 15 Uhr Internationaler Museumstag "Spurensuche. Mut zur Verantwortung"
So., 18. Juni, 15 Uhr 8 €, ermäßig 4 €


Weitere Termine für Rundgänge können vereinbart werden - bitte per Mail an lurup@gmx.de
Auf Anfrage biete ich Rundgänge u.a. zu diesen Themen an:

Kistenhäuser und Kleingärten in Lurup

In der Zeit der Weltwirtschaftskrise entstanden viele Lauben und Hütten in Lurup, noch stehen einige alte Kistenhäuser, die in den 1920er und 1930er Jahren von arbeits- und obdachlosen Arbeiterfamilien aus Altona und St. Pauli errichtet wurden. Auch Siedlungsprojekte wie die Elbkamp-Siedlung entstanden um die Zeit der Weltwirtschaftskrise von 1929, gefördert durch die Städteplanung unter Max Brauer und Gustav Oelsner. Der jüdische Kaufmann Salomon Bondy verhalf nach 1917 vielen Siedlern zu Bau- und Pachtland, seine Kinder, darunter der Reformpädagoge Dr. Max Bondy und der Psychologe Prof. Curt Bondy wurden nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten als Juden verfolgt. Ihre Ländereien in Lurup wurden im Zuge der Enteignungen jüdischer Bürger zu einem Spottpreis Funktionären der nationalsozialistischen Führungsriege in Lurup überlassen. Die Schule am Volkspark bot nach Kriegsende als die erste Ganztagsschule Hamburgs auch den Kindern der Flüchtlinge, die in dem Nissenhüttenlager und den Baracken des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers in der Lederstraße wohnen mussten, und den Kindern der Schausteller und Sinti aus dem Wohnwagenlager im Rondenbarg ein pädagogisches Konzept, das auf Teilhabe und Chancengleichheit basierte. Der Rundgang wird enden mit der Besichtigung eines Kistenhauses.


Vom Mahnmal bis zur Stadionstraße - Stadtteilrundgang entlang der Luruper Hauptstraße

Während der Wirtschaftskrise in den 1920er Jahren zogen viele obdachlos gewordene Arbeiterfamilien aus Altona und St. Pauli in die Stadtrandgebiete nach Lurup und Bahrenfeld. Viele dieser Siedler fühlten sich der damaligen Arbeiterbewegung verbunden. In Lurup entstanden die ersten Baugenossenschaften und Kleingartenkolonien, aber auch illegale Siedlungen, bis in die 1930er Jahre stillschweigend geduldet von der Baupolizei. Nach 1933 gingen viele aktive Kommunisten, Gewerkschafter und Sozialdemokraten in den Untergrund. Zwischen Tannenberg und Luruper Hauptstraße wohnten mehrere Mitglieder einer Widerstandsgruppe, zu der auch Willi Hagen gehörte, der 1936 im KZ Fuhlsbüttel ermordet wurde und an den heute ein Stolperstein an der Luruper Hauptstraße erinnert. Der Rundgang führt am Eckhoffplatz vorbei entlang der Luruper Hauptstraße zum Parkplatz vor Desy.


Stadtteilrundgang entlang der Luruper Hauptstraße - Geschichte(n) vom Gasthaus Lurop op der Heiden bis zur Gegenwart

An der Luruper Hauptstraße, inmitten einer Feldmark, die durch Heide und Moor geprägt war, entstand das Straßendorf Lurup. Diese Hauptverkehrsader ermöglichte den Transitverkehr von Dänemark nach Altona, ein wichtiger Handelsweg damals wie heute. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden an der Luruper Hauptstraße Ausflugslokale wie der Luruper Hof, vor allem an den Wochenenden zog es viele Städter zur Erholung in die Luruper Heide. Der Landschaftsgärtner Tutenberg ließ 1923 als ‚Bürgergarten' den Altonaer Volkspark auf dem Gebiet der Bahrenfelder Tannen errichten. Im selben Jahr wurde der Hauptfriedhof Altona eröffnet, auf dem die Altonaer Bürgermeister Schnackenburg und Max Brauer ihre letzte Ruhestätte fanden. Mit dem Zuzug vieler Städter in die Stadtrandgebiete, die Immobilien von den meist armen Landwirten erwarben oder auf Pachtgrundstücken Schrebergärten errichteten, stieg die Einwohnerzahl des Dorfes Lurup, das erst 1937 ein Stadtteil Hamburgs wurde. Diese Geschichten erzählt uns heute die Luruper Haupstraße.

Rundgang zum Außenlager des KZ Neuengamme in Eidelstedt

Viele Menschen aus anderen Ländern wurden nach Lurup zur Arbeit gezwungen. Das Gebiet am Eidelstedter Rangierbahnhof am Friedrichshulder Weg war aus Sicht der Nationalsozialistischen Behörden gut geeignet für mehrere Zwangsarbeiterlager und ein Außenlager des KZ Neuengamme, in das Jüdinnen vor allem aus Rumänien und Ungarn verschleppt wurden. 500 weibliche Häftlinge, ungarische und tschechische Jüdinnen, die zuvor in den Außenlagern des KZ Neuengamme Dessauer Ufer und Wedel gewesen waren, mussten ab 1944 im Außenlager Eidelstedt vor allem Plattenbauten errichten. Der Lagerleiter Walter Kümmel wurde in einem Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in den 1980er Jahren mit der Unterstützung des Neonazi-Rechtsanwaltes Rieger freigesprochen. Neben diesem KZ betrieben die Nationalsozialisten mehrere Baracken für Zwangsarbeiter aus Polen und der Ukraine. Auch sie wurden zur Arbeit gezwungen, vor allem für die Reichsbahn.
Zwangsarbeiter aus Polen und Russland, auch Italienische Militärinternierte wurden zur Arbeit gezwungen, vor allem für den Behelfsheimbau für die ausgebombte deutsche Bevölkerung. Hedi Fried, Überlebende des KZ im Friedrichshulder Weg, beschreibt in ihrer Biografie mehrere Begegnungen mit der Luruper Bevölkerung. Der Rundgang beginnt in der Jevenstedter Straße, in der zahlreiche Immobilien der Erbengemeinschaft Salomon Bondys arisiert wurden, führt vorbei am Gedenkstein der Emmaus-Kirchengemeinde und wird enden am Gedenkstein an das Außenlager des KZ Neuengamme in der Randowstraße.

Zwangsarbeiterlager in der Lederstraße

In der Lederstraße befanden sich von 1942 bis 1945 zwei Zwangsarbeiterlager, ein kleineres von dem Tiefbauunternehmen Steckmeister & Co und ein Lager der Deutschen Arbeitsfront. Dieses Lager gehörte mit zeitweilig 2000 Insassen zu den größten Lagern Hamburgs in der NS - Zeit. 1941 vom Architekten Gutschow entworfen, wurde es 1942 von Zwangsarbeiterinnen erbaut. Die Gesamtfläche des Lagers betrug 5 Hektar. Das Gelände war bereits 1938 von der Arbeitsbehörde für ein Arbeitslager für Sinti und Roma in Planung genommen worden, Planungsergebnisse aus den Jahren 1938 bis 1940 konnten 1941 für Logistik und Bau des Zwangsarbeiterlagers der DAF verwertet werden. Die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter waren vor allem aus osteuropäischen Ländern verschleppt worden und mussten in der Rüstungsindustrie, aber auch bei der Trümmerbeseitigung und für die Straßenreinigung arbeiten. Der Alltag im Lager war sehr hart. Auch Kinder mussten arbeiten, erlebten Hunger und Gewalt. Dennoch kam es zu Versuchen von Widerstand - und zur erbarmungslosen Vergeltung durch die Gestapo, so 1943 bei einer Massenerschießung auch von Zwangsarbeitern dieses Lagers in den nahe gelegenen Winsbergen. Der Rundgang führt von der Gedenktafel im S Bahnhof Stellinger zum noch an der Baufluchtlinie erkennbaren ehemaligen Lagergebiet des DAF Lagers, zeigt entlang der Schnackenburgallee die ungefähren Hausnummernzuordnungen, an den sich einige Rüstungs- und Bauunternehmen befanden, für die die Zwangsarbeiter arbeiten mussten, stellt Hintergründe zur Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma in der Region dar und führt wieder zurück zum Stellinger Bahnhof.

Lurup unter dem Nationalsozialismus I

Bei den Reichstagswahlen 1933 erreichte in Lurup entgegen dem gesamtdeutschen Trend die SPD mit 40,6 % eine Mehrheit vor der NSDAP mit 34,1 %. Die Nationalsozialisten versuchten nach 1933 zum einen mit Terror und Gewalt die Arbeitersiedlungen zu unterwerfen, zum anderen mit Vergünstigungen für loyale Bevölkerungsgruppen die Luruper für sich zu gewinnen. Die Nationalsozialisten versuchten nach 1933 zum einen mit Terror und Gewalt die Arbeitersiedlungen zu unterwerfen, zum anderen mit Vergünstigungen für loyale Bevölkerungsgruppen die Luruper für sich zu gewinnen. Vertreter der Kirche und der Altonaer NSDAP errichteten 1935 in einer großangelegten Feier vor dem damaligen Gemeindehaus der Auferstehungskirchengemeinde ein Ehrenmal für die nach nationalsozialistischem Weltbild ‚arischen' Gefallenen des 1. Weltkriegs der Gemeinde Lurup. Viele Luruper, die sich politisch in der SPD oder der KPD engagiert hatten, wurden nach 1933 aus politischen Gründen verfolgt, kamen ins KZ Fuhlsbüttel, darunter Willi Hagen und Walter Reimann. Menschen, die sich zu den Zeugen Jehovas bekannten, Swing Jugendliche, Homosexuelle, alle, die nicht in das Konzept eines Nationalsozialistischen Lebensstils passten, wurden verfolgt, ermordet. Der Rundgang beginnt am Mahnmal der Auferstehungskirchengemeinde und endet in der Jevenstedter Straße mit einem Gedenken an ein Luruper Opfer, das zur Swing-Jugend gehörte.


Lurup unter dem Nationalsozialismus II

Unmittelbar nach der Machtergreifung wurde der Erbengemeinschaft des Kaufmanns Salomon Bondy das Verfügungsrecht auf Luruper Ländereien genommen, von der Enteignung der jüdischen Grundbesitzer profitierten nicht wenige Luruper und Eidelstedter. Dr. Max Bondy, Begründer einer der ersten Reformschulen in Deutschland, konnte mit seiner Familien in die USA emigrieren, Prof. Curt Bondy war Überlebender des KZ Buchenwald, nach 1945 kehrte er nach Hamburg zurück und war als Leiter der psychologischen Fakultät zu Hamburg maßgeblich an der Konzeption und dem Aufbau der Erziehungsberatungsstellen nicht nur in Hamburg beteiligt. Möglicherweise wurde das Außenlager des KZ Neuengamme auf Immobilien der Erbengemeinschaft Salomon Bondys errichtet. Viele Menschen aus anderen Ländern wurden nach Lurup zur Arbeit gezwungen. Das Gebiet am Eidelstedter Rangierbahnhof am Friedrichshulder Weg war aus Sicht der Nationalsozialistischen Behörden gut geeignet für mehrere Zwangsarbeiterlager und ein Außenlager des KZ Neuengamme, in das Jüdinnen vor allem aus Rumänien und Ungarn verschleppt wurden. Zwangsarbeiter aus Polen und Russland, auch Italienische Militärinternierte wurden zur Arbeit gezwungen, vor allem für den Behelfsheimbau für die ausgebombte deutsche Bevölkerung. Hedi Fried, Überlebende des KZ im Friedrichshulder Weg, beschreibt in ihrer Biografie mehrere Begegnungen mit der Luruper Bevölkerung. Der Rundgang beginnt in der Jevenstedter Straße, in der zahlreiche Immobilien der Erbengemeinschaft Salomon Bondys arisiert wurden, führt vorbei am Gedenkstein der Emmaus-Kirchengemeinde und wird enden am Gedenkstein an das Außenlager des KZ Neuengamme in der Randowstraße.

Rückblick auf einige vergangene Veranstaltungen

Im Rahmen der Woche des Gedenkens Hamburg Nord:
4. Februar 2016 19:00 Uhr Thälmann Gedenkstätte
Tarpenbekstraße 66, 20251 Hamburg

„Auch du bist in Kola Fu gewesen!“ (aus einem Gedicht Willi Hagens)
Widerstandsgruppen in Lurup, Eidelstedt und Halstenbek
Vortrag und anschließende Diskussion Referentin: Anke Schulz (Regionalhistorikerin)

Gleich nach 1933 versuchten die nationalsozialistischen Behörden im Zuge mehrerer Verhaftungswellen die kommunistische und sozialdemokratische Opposition zu zerschlagen. Auch Widerstandskämpfer aus Lurup, Eidelstedt und Halstenbek wurden bespitzelt, denunziert, verhaftet. So brachten die Ermittlungsbehörden Willi Hagen, Walter Reimann, Paul Fischer und viele andere aus dieser Region in das KZ Fuhlsbüttel. Vorgeworfen wurden ihnen Hochverrat aufgrund der Beteiligung an Widerstandshandlungen der KPD in Altona und dem Kreis Pinneberg. Willi Hagen erlag 1936 seinen schweren Verletzungen infolge der systematischen Folter im KZ Fuhlsbüttel. Walter Reimann und Paul Fischer wurden gemeinsam mit vielen anderen aus Lurup, Eidelstedt und Halstenbek zu mehreren Jahren KZ Haft verurteilt. Auch sie wurden gefoltert, misshandelt.
Anke Schulz stellt ihre Rechercheergebnisse zum Widerstand in Lurup, Eidelstedt und Halstenbek vor und liest aus Briefen Walter und Frida Reimanns aus den Jahren der KZ Haft.

Vorträge - Zwangsarbeit in Altona

Donnerstag, 10. Dezember 2015 um 18 Uhr
Stadtteilarchiv Ottensen - Kesselhaus, Zeißstraße 28

Birigt Gewehr
"Falls du dich weigerst, zu arbeiten, holt man dich in die Gestapo."
Der Streik russischer Zwangsarbeiterinnen im Werk 'Noleiko' 1943

Anke Schulz
Die Zwangsarbeiterlager in der Lederstraße - Widerstandsversuche und Kriegsverbrechen in Stellingen und Bahrenfeld

Elisabeth Schulte
Das Zwangsarbeiterlager in der Norderstraße, heute Virchowstraße, in Altona-Altstadt

Im Rahmen der Ausstellung 'Auf Leben und Tod' - Stolpersteine in Altona - eine biographische Spurensuche
vom 10. November 2015 bis zum 31. März 2016 im Stadtteilarchiv Ottensen

 

Vortrag Gedenkstätte Fuhlsbüttel

„Hoffentlich bist du gesundheitlich einigermaßen auf der Höhe!“ – Widerstandsgruppen in Lurup und Eidelstedt und der Briefwechsel zwischen Walter Reimann und seiner Familie 1935 bis 1937

Lurup und Eidelstedt gingen nach 1933 Frauen und Männer, die sich der Arbeiterbewegung verbunden gefühlt hatten, in den Widerstand, darunter Walter Reimann und Willi Hagen. Viele von ihnen wurden von der Staatspolizei verhaftet. Während Willi Hagen das KZ Fuhlsbüttel nicht überlebte, kam Walter Reimann nach mehreren Jahren Haft wieder frei. Er war in der KZ Haft schwer misshandelt worden. Die Zähne waren ihm ausgeschlagen, das Trommelfell verletzt und der Magen mit Faustschlägen schwer geschädigt worden. Erhalten gebliebene Briefe, die seine Frau Frida Reimann und andere Familienangehörige an Walter Reimann senden konnten, lassen trotz der Zensur erahnen, wie belastend die KZ-Haft auch für die Angehörigen war.
Anke Schulz stellt in ihrem Vortrag einige dieser Briefe vor und versucht anhand von Zeitzeugenberichten und Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft eine Rekonstruktion von Widerstandstätigkeiten in dem Gebiet zwischen der nördlichen Grenzregion Altonas und Pinneberg zu Beginn des nationalsozialistischen Terrorregimes.

Dienstag, 29. September 2015, 18.30 Uhr

Gedenkstätte Konzentrationslager
und Strafanstalten Fuhlsbüttel 1933–1945
Torhaus, Suhrenkamp 98, 22335 Hamburg

Monat des Gedenkens in Hamburg Eimsbüttel 2015
28.04.2015 19:00 Uhr im Eidelstedter Bürgerhaus Vortrag

Geraubte Immobilien - Vertreibung der Erbengemeinschaft Salomon Bondys aus Eidelstedt und Lurup
Nach der Machtübertragung an die NSDAP im Januar 1933 ‚arisierte' die Hamburger Oberfinanzdirektion sukzessive auch die Immobilien der jüdischen Erbengemeinschaft Salomon Bondys und übertrug sie 1939 der Hamburgischen Grundstücksverwaltungsgesellschaft. Viele profitierten davon, so konnten der Luruper ‚Ortsbauernführer' und die Hansestadt Hamburg ca. 36 ha für einen Spottpreis erwerben. Der Vortrag skizziert anhand von Akten der Devisenstelle des Hamburger Landesfinanzamtes und der Wiedergutmachungsbehörde das Vorgehen der Hamburger Behörden, beschreibt Flucht und Verfolgung der Familien Bondy und Zadik und stellt angesichts der immer noch unerfüllte Hoffnung Prof. Tom Roepers, Urenkels Salomon Bondys, auf Gesten der Versöhnung und faire Entschädigung die heutige Verantwortung für den Umgang mit Arisierungen diesen Ausmaßes zur Diskussion.
"Hoffentlich bist du gesundheitlich einigermaßen auf der Höhe!" Briefwechsel zwischen Walter Reimann und seiner Familie 1935 - 1937 Vortrag und anschließende Diskussion

Monat des Gedenkens in Hamburg Eimsbüttel 2014
20.05.2014 19 Uhr im Eidelstedter Bürgerhaus Vortrag mit anschließender Diskussion
Erschießungen in den Winsbergen - was wurde aus den Tätern?

Wurden sie zur Verantwortung gezogen? 1943 ließ die Gestapo 174 Zwangsarbeiter aus den Zwangsarbeiterlagern Lederstraße und Wilhelmsburg in den Stellinger Winsbergen von Männern der Waffen-SS erschießen. An diesen Morden hatten zahlreiche Mitarbeiter der Geheimen Staatspolizei mitgewirkt, die ‚Sondermaßnahmen, ' wie die Behörden derartige Bestrafungsaktionen bezeichneten, waren beantragt, genehmigt und durchgeführt worden. Was wurde aus den Tätern nach 1945? Wurden sie zur Verantwortung gezogen? Der Vortrag skizziert anhand von Prozessakten den juristischen Umgang mit Tätern und Tatverdächtigen dieses Massakers in der Nachkriegszeit. Einige Täter wohnten noch vor wenigen Jahren unbehelligt als vermeintlich nette Nachbarn in Lurup, Halstenbek und Eidelstedt.

 

 

 

 

 

 

Creative Commons License
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

Nutzungsrechte Impressum

Home